Mrz 07 2010
Glückliche Lehrer braucht das Land
Haben Sie auch schon einmal gehört, dass glückliche Menschen seltener krank sind, besser mit Krankheiten umgehen können und sogar älter werden? Aktuelle Studien bestätigen das. Und nicht nur das. Glückliche Gefühle machen uns deutlich attraktiver, leistungsfähiger, kreativer und steigern unsere Erfolge in Prüfungen und im Beruf.
Die positiven Auswirkungen von Glücksgefühlen werden in den letzten Jahren ständig nach oben korrigiert. Auch das Schulfach Glück an der Heidelberger Willy-Hellpach-Schule, von dem Sie bestimmt schon gehört haben, zeigt bereits erste wissenschaftlich bestätigte Ergebnisse. Es trägt beispielsweise nachweislich zur Persönlichkeits- und Identitätsstärkung bei und das Engagement der Schüler in der Gemeinschaft nimmt ebenso zu wie die Lust an der Leistung. Dass empfundenes Glück Vorteile für die Leistungsfähigkeit und Gesundheit hat, ist auch im Lehrberuf von Bedeutung. Haben doch die hohen Anforderungen an Lehrer zur Folge, dass laut einer aktuellen Online-Befragung 60% der Lehrer mehr oder weniger von Burnout betroffen sind. Aber wie kann man seine Glücks gefühle vermehren oder gar intensivieren? Die moderne Gehirnforschung bestätigt in diesem Zusammenhang, dass unser Glücksempfnden sich trainieren lässt. Schon nach wenigen Stunden sind die Gehirnareale, die für gute Gefühle zuständig sind, viel stärker vernetzt, und hemmen praktischerweise zusätzlich die Aktivität in den Arealen für schlechte Gefühle. Jedes angenehme Gefühl, wie Liebe, Zufriedenheit Freude oder Begeisterung, trainiert unser Gehirn. Die Folge: Unser Gehirn aktiviert häufger und schneller gute Gefühle, und diese werden sogar intensiver. Aber wie werden solche Gefühle ausgelöst? Biologisch gesehen sind alle diese Gefühle Belohnungsgefühle aus unseren angeborenen Belohnungs- und Vermeidenssystemen. Das gilt für jedes Lebensalter, also für Lehrer und Schüler.
Woher kommt der Leistungsdruck?
Kleine Kinder z.B. empfnden es instinktiv als schön, wenn ihnen die Eltern mit Liebe begegnen, und als unangenehm, wenn sie abgelehnt werden. Glücksgefühle empfnden zu können, muss man also nicht erst lernen. Was man aber tatsächlich lernen kann, ist, die Glücksgefühle sehr viel häufger und intensiver zu empfnden. Dazu ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, ein kleines Kind wäre immer dann gelobt worden, wenn es etwas gut gemacht hat, und hätte sich dadurch besonders geliebt gefühlt. Es wäre zu dem natürlichen Schluss gekommen, dass es umso mehr geliebt wird, je mehr es gute Leistungen bringt. Anerkennung für eine Leistung würde hier mit persönlicher Zuneigung verwechselt werden. Als Erwachsener hätte derselbe Mensch schließlich einen sehr hohen Erwartungs-Maßstab an sich selbst angelegt und dabei gelernt, Fehler zu vermeiden, sich bemüht, immer alles möglichst perfekt zu machen und permanent volle Leistung zu bringen. Doch wie oft wird dieser Erwachsene wohl sein ursprünglich angestrebtes Belohnungsgefühl genießen, nämlich jetzt gerade liebenswert zu sein? – Erfahrungsgemäß ziemlich selten. Denn das ursprüngliche Ziel, sich geliebt zu fühlen, ist inzwischen oft unbewusst und tritt zurück hinter anderen Zielen, wie z.B. ein guter Abschluss oder Karriere. Ein solcher Erwachsener »gestattet« sich sein unbewusst angestrebtes Belohnungsgefühl also nur noch in seltenen Momenten. Und das, obwohl ihm vielleicht von seinen Freunden oder seiner Familie permanent Liebe und Zuneigung entgegen gebracht wird. Im Extremfall würde dieser Mensch wenig Motivation für seine Arbeit empfnden, weil die unbewusst angestrebten Belohnungsgefühle auf Dauer fehlen. Bei voller Arbeitsbelastung steigt so beispielsweise das Burnout-Risiko.
Was wollen wir wirklich?
Was würde nun geschehen, wenn derselbe Mensch erkennen würde, dass es sein ursprüngliches Ziel war, sich geliebt zu fühlen? Und er deshalb beschließen würde, ab sofort alle Momente bewusst zu genießen, in denen ihm Liebe und Zuneigung entgegen gebracht wird? Richtig, er wäre plötzlich viel glücklicher. Er würde bewusster wahrnehmen, wenn er angelächelt wird, freudig begrüßt wird, oder wenn andere Menschen ihm gerne zuhören und mit ihm Zeit verbringen wollen. Und er würde erkennen, dass ihm diese Zuneigung unabhängig von gebrachten Leistungen entgegen gebracht wird. Von einem Tag auf den anderen würde er mehr solcher Glücksmomente wahrnehmen und empfnden. Durch die häufgen Belohnungsgefühle wäre sein Glücksniveau insgesamt deutlich höher. Und er hätte hierfür nur ein einziges von mehreren angeborenen Belohnungssystemen besser genutzt.

Durch den Trainingseffekt für das Gehirn wären diese Gefühle in kurzer Zeit schneller und intensiver spürbar. Als positiver Nebeneffekt würden Leistungsfähigkeit, Ausstrahlung und Gesundheit zusätzlich proftieren. Im Grunde genommen geht es beim Glücklichsein also darum, unsere ursprünglichen Belohnungssysteme anzusprechen. Wenn man weiß, wie man diese gezielt für sich nutzen kann, ist ein erfülltes und glückliches Leben sehr leicht erreichbar. Das bestätigen die Erfolge vieler Menschen, die begonnen haben, ihr Glücksempfnden gezielt zu trainieren. Susanne Martincservics, selbst Lehrerin und ausgebildete Glückstrainerin, drückt dies beispielsweise so aus: »Mein persönliches Glückspotential hat sich immens gesteigert. Der Zugang zu »verhaltensoriginellen« Schülern ist seitdem viel entspannter. Ich verstehe immer öfter, warum manche Probleme auftauchen; ich kann entsprechend mit Ruhe und Gelassenheit agieren und reagieren. Strahle ich Sicherheit und Freude am Unterricht aus, dann überträgt sich das auf die Schüler!« Wenn Sie dieses Potential in Zukunft für sich nutzen wollen, schaffen Sie am besten eine neue gute Gewohnheit: Seien Sie jeden Tag so glücklich wie möglich. Wir wünschen Ihnen viel Glück dabei!
10 Kommentare
















Oh weh, mir schauderts. Müssen wir jetzt alle immer glücklcih sein?
Das kann ja anstrengend werden. Viel Ausdauer dabei ………
Ist es nicht lustig, dass wir aus allem, was wir nicht verstehen, eine Wissenschaft machen? Paul Watzlawick war so nett, uns mit seiner “Anleitung zum Unglücklichsein” zu verraten, dass der Mensch nicht nicht denken kann. Andersrum, heißt das: er denkt immer: Glück wie Unglück.
Ein gewisser Émile Coué, der Paul Watzlawick nicht ganz unbekannt war, nannte die Kraft, mit der man das tut, Vorstellungskraft und demonstrierte, ganz im Gegensatz zur landläufigen Meinung: “Nicht der Wille ist der Anstrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft.” Wenn man also sein Leben lang unglücklich bleiben will, dann muss man nur wollen. Man wird dann ein Nurwollenmüsser und das ist Unglück genug.
Hört man aber auf, wie man es in der Schule richtig gelernt hat, sich beim Lernen, zu QUÄLEN, dann ist alles verloren! Ohne Qual ist ja Unglück schon fast nicht mehr möglich.
Wenn man sich gar, wie ich als Ich-kann-Schule-Lehrer beim Lernen und Lehren FREUT, ist es ganz aus, dann fängt es mit dem Glpck schon an! Wenn man dann auch noch, wie in der neuen Ich-kann-Schule üblich, maßlos übertreibt und alle seine mindestens 5000 Kräfte und Talente nicht mehr wie Feinde sondern als Freunde behandelt, wird Unglück nur noch schwer erreichbar! Man stelle sich vor: 5000 Freunde, die auf 10 Meter um einen herum ausstrahlen: “Wir gehen hier mit unserem besten Freund spazieren!”! Das wirkt am Ende auch noch ansteckend auf die 5000 Talente in jedem um Dich rum, die ziehen sich die Freude auch rein, und dann weiß bald keiner mehr, ob man Unglück mit ck schreibt. So ein Unglück!
Und vor allem: ohne Wissenschaft geht das alles viel zu einfach und viel zu schnell und viel zu gut! Es ist schon ein Unglück mit dem Glück! Dennoch: Glück auf!
Franz Josef Neffe
Ja, liebe Glückstrainerin, wie schön, dass sich alles im Leben trainieren lässt und man an der Türe zum Klassenzimmer schon rufen kann: Konflikt, ich erwarte dich! Du machst mir nichts aus, denn ich habe mein Glück, zum Glück, trainiert.
Seien Sie mir nicht böse, aber ist das nicht gequirlter Qua…?
Wie gut, dass das Leben anders ist und wir auch ohne Glückstraining überleben können. Und Gott sei Dank ticken wir Menschen anders und es kann auch etwas auch uns werden, wenn wir z.B. keine glückliche Kindheit hatten. Lernen wir nicht sowieso immer und besonders in den schwierigen, unglücklichen Momenten?
Hallo Bommes!
)
Ja, es stimmt, dass man Glück trainieren kann. Das Schöne daran ist, dass sich Konflikte oft gar nicht einstellen, wenn ich in einem guten Gefühl bin oder ich mit dem Konflikt besser umgehen kann. Ich erwarte keine Konflikt, im Gegenteil ….
Wir lernen auch in glücklichen Momenten – und die ziehe ich bei weitem vor ….. kein Quatsch!
Hallo leigers!
)
Du musst nicht immer glücklich sein, du kannst es sein ….
Alles liebe Euch beiden, Susanne
Aus meiner Erfahrung kann ich nur bestätigen: im glücklichen Zustand und ohne Druck ist auch das Lernen effektiver und langhaltiger! Und glücklich sein ist eine Kunst auf sich selbst hören zu können… Das kann man lernen.
Meine Erfahrung mit dem deutschen Schulsystem, dem ich durch glückliche (!) Fügung seit 13 Jahren entkommen bin (Richtung Schweiz) hat mich eher das unglücklich-Sein gelehrt. In unserer Ausbildung hat man viel weniger versucht, die angehenden Lehrer zu stärken, als gnadenlos auf den Schwächen herumzureiten und so auszusieben. Für nahezu alle LehrerInnen, die ich aus Deutschland kenne, war die Referendariatszeit die pure Hölle. Da sollte man mal anfangen das glücklich Sein zu befördern! Denn klein-gemachte Lehrpersonen haben Mühe starke und glückliche Schüler zu “produzieren”.
Schon immer wollte ich mich einmal zu Wort melden. Oft habe ich darüber nachgedacht,wo und wann. Heute ist der Zeitpunkt, gerade jetzt, als mich vor zehn Minuten ein ehemaliger Schüler anrief. Vor fünf Jahren verließ er unsere Schule.Er erinnert sich noch immer sehr gern an seine Schulzeit, als ich seine Klassenlehrerin war, sechs Jahre lang. Es wäre seine schönste Zeit gewesen, weil ich fast nie schlechte Laune gehabt hätte und immer sehr viel Optimismus versprüht habe, aber man auch gerade sehr gern deshalb bei mir lernte. So sagte er mir das.
Ich weiß auch, dass es so ist. Ich bin bald 63 Jahre alt und seit 42 Jahren im Schuldienst.
Ich liebe meine Tätigkeit , ich freue mich noch heute bei meinen Vorbereitungen auf den Unterricht, auf die Schüler , auf ihre positive Resonanz, die sie mir geben,auf das Feedback der Eltern, auf Aktivitäten, auf Projekte, auf…..einfach sooo Vieles, dass ich am liebsten gar nicht an`s Aufhören denken möchte!
ja ja… die Kommentare waren auf jeden Fall spannender als der Artikel
Sorry, aber….. bei großem Interesse für Psychologie kommen mir solche Super Tipps immer etwas banal vor…..
Sollten wir nicht lieber die Krankmacher benennen und konkreter an die Sache gehen?
Wer kennt denn eine Schule, an denen das Kollegium einigermaßen glücklich arbeiten kann? Und was haben die dann anders gemacht?
Ja, das mit dem Glück klingt immer etwas banal – Eckhart von Hirschhausen hat Hochkonjunktur mit seinem “medizinischen Kabaret”. Und irgendwie funktioniert es auch sehr publikumswirksam mit dem Trick, humorvoll mit empfundenen Problemen, Dramen und “Krankmachern” (Zitat aus den Kommentaren) umzugehen. Es ist ein kleiner Perspektivwechsel, ein kleines Absehen von festgefahrenen Gedanken durch Humor, der viel Gelassenheit stiften kann.
Ich wünsche uns Lehrern (mit Blick auf die Kommentare):
- Zeit dafür, mit anderen einen humorvollen Blick zu pflegen.
- Die Einsicht, dass nicht nur der Lehrerberuf, sondern viele andere Dinge im Leben glücklich machen können – verlangen wir nicht zu viel Glück und glückliche Schüler und glücklichen Unterricht! Es reicht, wenn wir gut arbeiten…
- Dass wir unsere Glücksgefühle nicht abhängig vom Kollegium machen (“an meiner Schule herrscht Stress, das macht mich unglücklich…”)
- Dass wir angemessene Ansprüche stellen lernen an uns und unsere Arbeit. Die sind vielleicht nicht unser privates Ideal, dafür aber realistisch und erreichbar: Ich kenne Kollegen, die sich eigentlich eine andere Schulform, andere Kollegen, andere Kinder und andere Eltern wünschen – wenn das nicht frustrierend ist…
- Dass wir dennoch uns dafür einsetzen, Arbeitsbedingungen zu verbessern.