Mrz 10 2010
Lehren in den USA
Lehrer und Schulen gibt es überall auf der Welt. Was ist überall gleich, was ist aber auch in einzelnen Ländern ganz anders? Darüber berichten wir in unserer Serie: »Lehren in…«.
In dieser Ausgabe gewährt Ihnen Kate Perkins Clewel Einblick in Ihren Schulalltag in Pennsylvania (USA).
1. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
Kunst zu unterrichten, ist im Vergleich zu vielen Fächern entspannender und ich liebe es, die Möglichkeit zu haben, mit meinen Schülern zusammenzuarbeiten, sie wirklich kennenzulernen und gleichzeitig kreativ zu sein.
2. Wie sieht Ihre Schule aus?
Ich unterrichte an einer großen städtischen High-School die Stufen 9 bis 12. Im Moment haben wir über 5000 Schüler im Gebäude, aber in diesem Schuljahr wird es eine Aufteilung geben in ein Gebäude für die Stufen 9 und 10 und in eines für die Stufen 11 und 12. Die Schüler sind vorwiegend lateinamerikanischer Herkunft und kommen aus geringverdienenden Familien. Der zentrale Teil des Gebäudes sieht aus wie ein Schloss.
3. Wie viele Schüler unterrichten Sie?
Ich unterrichte 5 bis 6 Klassen am Tag mit 12 bis 25 Schülern pro Klasse. Die meisten Klassen unterrichte ich ein ganzes Jahr lang, aber manche wechseln nach einem Halbjahr. Unser gesamtes Kunstprogramm der High School, unterrichtet von 7 Lehrern, erreicht ca. 10% der Schülerschaft.
4. Warum sind Sie Lehrerin geworden?
Ich habe 12 Jahre in der Privatwirtschaft gearbeitet, bevor ich Lehrerin geworden bin. Einen anderen Berufsweg einzuschlagen, hat mir, als meine Kinder noch klein waren,
die Möglichkeit gegeben, einen ähnlichen Stundenplan wie sie in der Schule zu haben.
5. Was sind die wichtigsten Eigenschaften, die ein Lehrer besitzen sollte?
Die wichtigsten Eigenschaften, die ein Lehrer besitzen sollte, sind Toleranz, Geduld und Respekt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn man zugänglich und authentisch ist, das Unterrichten für uns alle einfacher und unterhaltsam wird. Ich denke, dass es wichtiger ist, die Schüler zu mögen als den eigenen Lehrstoff.
6. Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Sie aus und mit was für Schwierigkeiten werden Sie bei ihrer täglichen Arbeit konfrontiert?
Ich komme jeden Tag zwischen 7 Uhr 30 und 8 Uhr in die Schule und muss bis 15 Uhr 30 bleiben – an vielen Tagen gehe ich nicht vor 17 Uhr. Wir haben 8 Schulstunden am Tag mit einer festgelegten Mittagspause
und einer feststehenden Vorbereitungsstunde. Wir bleiben in einem Raum und die Schüler kommen für Unterrichtsstunden von 43 Minuten zu uns. Ich bin auch als Fachbereichsleiterin für die Kunstabteilung der Schule tätig. Das bedeutet, dass ich eine Verbindung zwischen der Verwaltung und den anderen Lehrern darstelle, verantwortlich bin für Haushaltsfragen, Ausflüge organisiere etc.; deswegen erhalte ich jeden Tag eine zusätzliche Vorbereitungsstunde. Ich bin auch an verschiedenen Komitees und Aktivitäten beteiligt, wie z.B. das Koordinieren des deutsch-amerikanischen Austauschprogramms, die Beratung von Schülern und der Kunstclub. Wir Lehrer neigen dazu uns zu überanstrengen und arbeiten zu viel. Die größte tägliche Schwierigkeit bei meiner Arbeit besteht darin, ein Gleichgewicht zwischen Disziplin, Motivation
und Zeitmanagement aufrechtzuerhalten, nicht nur für mich sondern auch für die Schüler.
7. Was ist das Wichtigste, das Sie Ihren Schülern vermitteln
möchten?
Die wichtigste Lehre in meinem Unterricht hat mehr mit Selbstachtung zu tun und der Liebe zum Lernen. Kunst ist einfach mein Mittel oder meine Art, meine Schüler zu
erreichen. Wenn meine Schüler den Raum mit einer Bereitschaft verlassen, einfallsreich Probleme zu lösen, dann bin ich erfolgreich gewesen. Wenn sie wissen, wer ein
Künstler ist, dann ist das einfach das i-Tüpfelchen.
Liebe Leser! Kennen Sie auch einen Lehrer im Ausland, den wir
einmal befragen sollten? Dann schreiben Sie uns doch bitte eine
E-Mail an info@kreidezeit-magazin.de
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