Apr 29 2010

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Andrea Heiliger

Gute PR öffnet Türen für Fundraising an Schulen

Abgelegt 10:59 unter Ausgabe März/April 2010, Schwerpunkt

Die öffentlichen Kassen sind leer und immer mehr Schulleitungen fragen sich: Wie können wir heute und auch zukünftig unsere Schulen finanzieren? Mit welchen Mitteln können wir den Unterricht gestalten? Sollen wir unsere Eigenständigkeit mehr wahrnehmen, die Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit optimieren und konsequentes Fundraising betreiben? Doch wie nutzen wir diese Chance, welche Schritte müssen wir gehen, damit Fundraising zum Erfolg wird?
Fundraising

Voraussetzung für ein erfolgreiches Fundraising ist eine gute Öffentlichkeitsarbeit und ein gutes Netzwerk

Immer mehr Schulleiter sehen, dass nicht nur die Kommunikation mit Lehrkräften, Eltern und Schülern wichtig ist, sondern auch der Kontakt mit der Öffentlichkeit professionell geführt werden sollte. Dabei spielen der Aufbau und die Pflege von Netzwerken eine bedeutende Rolle, denn sie können bei der Suche nach Fundraisingpartnern für die Schule von großem Vorteil sein. Fundraising in Schulen ist immer Sache der Schulleitung »Fundraising ist Chefsache«, bestätigt Greta Hoffmann, Schulleiterin der Gesamtschule der Stadt Brühl. Als Managerin tauscht sie sich zwar mit dem Kollegium über die Schulbedürfnisse aus, ermittelt zeitliche und finanzielle Ressourcen und lässt diese in den jährlichen Schul- und Entwicklungsplan einfl ießen. Doch wenn es darum geht, Kapital und Mittel zu beschaffen, dann ist sie selbst aktiv. »Ich informiere und motiviere ausgewählte Lehrkräfte, sich beim Fundraising zu engagieren. Doch letztendlich muss ich das Rädchen am Laufen halten und mir Zeit nehmen für persönliche Gespräche. So ist Elternpfl ege und Kontaktpfl ege oft eins«, betont Hoffmann. In individuellen Gesprächen berichtet sie von den Besonderheiten der Schule und lässt ganz nebenbei ihre Wünsche einfließen. Dabei wurde schon so mancher Traum erfüllt.

Kleine und große Fische an der Angel – Netzwerken lohnt sich

Beispielsweise erhielt die Brühler Gesamtschule nagelneue Schulmöbel, riesige Pfl anzen für die Mensa oder einen Kicker für den Freizeitbereich. Doch nicht nur kleine, sondern auch große Fische hat die Schulleiterin schon geangelt. So wurde ein naturwissenschaftlicher Raum für den experimentellen Unterricht mit Hard- und Software durch die Galeria Kaufhof AG ausgestattet und die Firma Leybold AG lieferte die entsprechenden Schulmöbel. »Das waren schätzungsweise 300.000 Euro«, freut sich Hoffmann noch heute. Im Gegenzug erhielten die Investoren eine große Eröffnungsfeier mit dem Bürgermeister der Stadt und umfangreiche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. »Bis heute leisten wir PR für sie«, betont die Schulleiterin, »denn immer wieder besuchen uns Gäste aus China, Chile, Mexico oder Spanien, die auch den besonderen Schulraum sehen wollen. Sie staunen, während ich von der guten Zusammenarbeit mit den beiden Wirtschaftsunternehmen berichte.« Gäste, die sich wohl fühlen, werden uns weiterempfehlen Dass Gäste in der Brühler Schule immer willkommen sind und sich die Schulleiterin bei einer Tasse Kaffee Zeit für sie nimmt, das ist selbstverständlich für die erfahrene Netzwerkerin. Schließlich möchte sie eine persönliche Beziehung mit ihren Gesprächspartnern aufbauen und das ist in entspannter Atmosphäre am einfachsten. Betonen möchte Hoffmann jedoch auch, dass ihre Schule nicht nur am Tage ein öffentliches Haus darstellt, sondern auch abends noch um 20 Uhr als öffentlicher Raum zur Verfügung steht. »Ich bin flexibel und versuche mich auf die Wünsche meiner Gesprächspartner auch zeitlich einzustellen, denn nur wenn man aufeinander zugeht, dann bekommt man auch etwas zurück. Meine Gäste sollen sich wohl fühlen. Sie sollen unsere Schule in guter Erinnerung behalten, das Image der Schule positiv weitertragen und an uns denken. Hinter jeder Begegnung steckt ein potentieller Fundraisingpartner, das sollte man immer im Hinterkopf halten.«

Netzwerke ausbauen – potentielle Fundraisingpartner informieren und einladen

Schulleiter nutzen immer mehr die Chance, ihre Schule professionell am Markt zu positionieren, ein unverwechselbares Bild nach außen abzugeben und ihre besonderen Schulmerkmale zu präsentieren. Dafür entwickeln sie beispielsweise Schulbroschüren, Projektflyer oder eigene Schulhomepages. Ebenso organisieren sie Schulfeste oder sonstige Aktionen, um auf die Angebote der Schule aufmerksam zu machen. Doch nutzen sie diese PR-Instrumente auch für das Fundraising? Betreiben Schulleiter aktives Netzwerken oder sind sie eher inaktiv? »Netzwerken ist sehr wichtig im Bezug auf das Fundraising«, betont Hoffmann. »Ich besuche oft Veranstaltungen der Stadt Brühl oder Umgebung, weil ich dabei mein Netzwerk sehr gut erweitern kann. Dort treffe ich Menschen unterschiedlichster Couleur, vom Handwerker bis zum selbstständigen Unternehmer. Ich habe die Chance, sie auf meine Schule aufmerksam zu machen, die Kontaktdaten auszutauschen, sie als Gast in meine Schule einzuladen und später vielleicht als Förderer zu gewinnen.«

Schule und Fundraisingpartner müssen zueinander passen

Die besonderen Angebote der Schule und das gute Schulimage sind natürlich nicht nur für Eltern und Schüler interessant, sondern auch für zukünftige Spender, Sponsoren
und Kooperationspartner. Sie werden die Schule nur dann unterstützen, wenn sie sich mit der Schule identifi zieren und wenn das Unternehmensprofil und das Schulprofil
zueinander passen. »Auf Partnerschaften muss man sich einlassen. Man darf nicht nur die eigenen Ideen verfolgen,sondern muss ebenso offen sein für die Wünsche der anderen Seite. Nur dann ist es ein Gewinn und diesen kann man nicht nur in Euro beziffern,« macht Hoffmann klar und deutlich.

Corporate Social Responsibility (CSR) – unternehmerische Sozialverantwortung ist »angesagt«

Unternehmerische Sozialverantwortung ist in der heutigen Gesellschaft sehr wichtig. Der Schulleiter sollte dem Unternehmer oder der Einzelperson deutlich machen, warum er sich für die Schule engagieren soll und welche Vorteile das Fundraising für ihn bringt. Beispielsweise wird sich nicht nur der Bekanntheitsgrad erhöhen und sich das Image positiv darstellen, sondern auch die Medien werden gerne über das soziale Engagement berichten. Eine gute Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und
Wirtschaft ist immer ein guter Aufhänger für die Presse. Die Leserschaft wird erfreut reagieren und die Kooperation loben und weitertragen. Die Verantwortung gegenüber
der Schülerschaft muss bei Partnerschaften mit der Wirtschaft jedoch im Vordergrund stehen. Echte Partner von Schulen sind Unternehmen, die aus eigenem Interesse den Nachwuchs fördern.

Berufsorientierung – Schule und Wirtschaft arbeiten zusammen

»Dass es modern ist, in Bildung zu investieren«, das unterstreicht Hoffmann gerne. Unternehmerische Sozialverantwortung wird in ihrer Schule schon seit Jahren mit der Firma Evonik Degussa GmbH gelebt. Das Chemieunternehmen, welches gleich in der Nähe angesiedelt ist, hat mit der Schule einen Lernvertrag abgeschlossen. Dabei geht es darum, dass der Kooperationspartner ausbildungsfähige Schulabgänger fi nden möchte und dafür bereits mit Schülern in der 8. Klasse Kontakt aufnimmt. Über einen Zeitraum von zwei Jahren, also von der 8. bis 10. Klasse, können ausgewählte Schüler in den Ferien und parallel zum Unterricht kostenlose Förderangebote in Anspruch nehmen. Dabei tauschen sich die Lehrer vorher mit den Mitarbeitern aus, damit die Förderung der Schüler im Chemieunternehmen genau auf den Schulunterricht zugeschnitten ist. Das Ziel der Schüler ist es, sich persönlich ein Bild von einem potentiellen zukünftigen Beruf zu machen, damit sie bei der Berufsorientierung eine sichere Wahl treffen und einen Ausbildungsplatz vielleicht bei Evonik Degussa GmbH erhalten. Im Gegenzug nutzt das Unternehmen die Möglichkeit, Schüler für ihr Unternehmen ausbildungsfähig zu machen. Sie haben bereits im Vorfeld die Schüler fit gemacht, damit dem Start einer Ausbildung in ihrem Unternehmen nichts mehr im Wege steht.

Ausblick und Wünsche für 2010 und die nächsten Jahre

Auch wenn Deutschland laut Bildungsgipfel II in Dresden bis zum Jahre 2015 zehn Prozent des Bruttoinlandprodukts in Bildung und Forschung investiert will, werden die
Bildungsprobleme sich noch auf lange Sicht nicht lösen. Bildung wird das bestimmende Thema der nächsten Jahre bleiben und die Unterstützung von vielen Firmen, Vereinen, Gruppen- und Einzelpersonen benötigen. »Auch ich wünsche mir für meine Schule, dass es noch mehr Unternehmen gibt, die Bildungs- und Erziehungsarbeit
im großen Stile unterstützen. Wenn ich dabei meinen Rollenwechsel von der Verwaltungschefi n zur Schulmanagerin verwirkliche, dann sind wir einen guten Schritt vorangekommen« sagt die sehr engagierte Schulleiterin Greta Hoffmann von der Gesamtschule der Stadt Brühl (www.gesamtschule-bruehl.de).

Ein Kommentar

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